24. Mai 2019 - 18:56 Uhr


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Was hindert uns am Erfolg?
Klaus
Die Liebe Klettertechnik.

Es gibt tausende Tips zur "richtigen" Ausführung der einzelnen Klettertechniken wie die "Froschposition" oder das "Seitliche Eindrehen" aus den verschiedensten Quellen, das ganze Wissen der Welt, nur einen Mausklick entfernt, und doch scheitert es an der Fragestellung......

Was hindert uns zu fragen?

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Es ist Einstellungssache!



"Kann ich eh nicht"

Es „härter“ zu versuchen ist eine der möglichen, aber nutzlosen Strategien, um mit Frust
oder Stress umzugehen. Ebenso nutzlos sind Gedanken oder Aussagen wie: „Die anderen
sind schuld, das Wetter, der Routenbauer, der Lärm“. Die beste und perfideste Art und Weise,
sich in Stress- oder Angstsituationen das Leben selbst schwer zu machen, sind Gedanken wie:
„Das konnte ich als Kind schon nicht!“, „Ich bin halt mental nicht so gut!“ und „Das brauch
ich gar nicht erst versuchen, das wird eh nichts!“



Gedanken machen Gefühle - und umgekehrt


Petra Müssig arbeitet seit über 20 Jahren mit Sportlern. Sie weiß: Unsere Leistungsfähigkeit
kommt nicht nur aus dem Kopf, wird aber von ihm begrenzt.
Beim Angreifen gutgelaunt bleiben ist die große Kunst.
Die entscheidenden Faktoren für unsere Leistungsfähigkeit, unsere Zufriedenheit und
Freude am Sport hängt von mehreren Faktoren ab: Natürlich von unserer körperlichen Fitness,
aber auch und vor allem von unserer mentalen Haltung: zum einen von unserem Denken,
unserer Einstellung; und zum anderen davon, wie wir mit uns selbst umgehen. Es macht
einen Unterschied, ob wir den Umständen oder uns selbst gegenüber kritisch, negativ und
abwertend eingestellt sind, oder ob es uns gelingt, gelassen, entspannt und sachlich mit
Situationen umzugehen, die uns normalerweise ärgern oder nerven würden. Dabei geht es
mir nicht ums so genannte „positive Denken“: Alleine dadurch, dass ich mir nette,
aufmunternde oder schönfärbende Sätzchen vorsage, ändert sich noch nicht viel. Im
schlimmsten Fall verstärkt sich mein Frust weil ich das, was ich mir da so munter vorsage,
auch nicht hinbekomme, also „bin ich doch tatsächlich zu blöd?“

Sich übers Runterfallen nicht zu ärgern, sondern sich angespornt zu fühlen, hilft in
jedem Fall.

Stress, Frust oder Angst beim Klettern haben immer Gründe, und die liegen selten nur im
Mentalen. Tagesform, Trainingszustand, Erfahrung, Müdigkeit und Erschöpfung,
Aufwärmen, äußere Einflüsse wie Stress bei der Arbeit bis hin zum Vertrauen in unsere
Sicherungspartner spielen stets eine Rolle. Und doch hat „das Mentale“ – also unsere
Einstellungen, unsere innere Haltung, unsere Gedanken – Einfluss auf unsere
Leistungsfähigkeit. Vereinfacht ausgedrückt: Gedanken machen Gefühle – Gefühle machen
Körperhaltungen – Körperhaltungen wirken sich auf unsere Leistungsfähigkeit und unsere
Technik aus.

Wenn wir uns zum Beispiel darüber ärgern, dass die Halle wieder mal so voll ist oder dass
dieser blöde Zug einfach nicht klappen will, dann verspannt sich unsere Muskulatur. Je
stärker unsere Muskulatur verspannt ist, desto schlechter wird unsere
Bewegungskoordination. So verändern sich durch Wut oder Ärger unsere
Reaktionsfähigkeit, unsere Technik, unsere Beweglichkeit, und wir klettern in der Tat
schlechter. Und das, was wir uns vorher schon gedacht haben, nämlich: „Der blöde Zug
klappt eh nicht!“ oder „Wenn die Halle heute wieder so voll ist kann ich es auch gleich
lassen!“, trifft tatsächlich ein.

Ähnlich geht es uns in Momenten der Unsicherheit oder Angst beim Klettern. Angst ist eine
völlig normale Reaktion unseres Organismus auf etwas, das uns bedrohlich erscheint. Dazu
brauchen wir nicht mal real einen Meter über der letzen Expresse zu klettern, oft genügt schon
der Gedanke an eine solche Situation, um unseren Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen.
Auf etwas, das er als bedrohlich einstuft, reagiert unser Körper mit einem veränderten
Atemrhythmus, einer stärker angespannten Muskulatur und veränderten
Sinneswahrnehmungen. Durch die so entstehende Sauerstoffschuld werden Denk- und
Muskelleistung reduziert. Durch die Anspannung der Muskulatur im Rumpfbereich nimmt
unser Körper eine Art Schutzhaltung ein, die sich auf die Reichweite unserer Arme auswirkt:
Wir klettern dann tatsächlich schlechter als in Situationen, die uns nicht in diesem Maße
herausfordern.


Die wichtigsten Strategien


Es gibt schwierige Umstände, aber es gibt auch ein gut Teil, den man selbst zu seiner
Stimmung beiträgt. Hier gibt es Strategien, wie man den Kopf "verbessert".


Der Wille zum Erfolg sollte da sein - aber ohne Krampf.

Um mit ungünstigen äußeren Umständen, mit schwierigen Herausforderungen, mit
stressigen und frustrierenden Situationen beim Klettern anders umzugehen, haben zwei
Strategien besonders bewährt. Erstens: „Das Denken besetzen“, und zweitens: „Der
konstruktive Umgang mit uns selbst“.

Beim „Denken besetzen“ versuchen wir nicht krampfhaft, uns wenig hilfreiche Gedanken zu
verbieten, sondern wir denken stattdessen an das, was wir technisch oder taktisch als Nächstes
tun können, um so optimal wie möglich zu klettern.


Technik aus der Sportpsychologie

Anstatt zu denken „Oje! Da kommt der blöde Zug!“, denken wir lieber an „Füße hoch,
steigen!“ oder „Atmen!“, oder wir konzentrieren uns ganz bewusst auf die richtige Griff- und
Trittkombination. Wenn wir uns die entsprechende Anweisung nicht nur denken, sondern uns
im Geist (also mental) oder leise vorsagen, praktizieren wir eine weitere erfolgreiche Technik
aus der Sportpsychologie, nämlich das so genannte „subverbale Training“: sich selbst kurze
Handlungsanweisungen zu geben, so dass Kopf und Körper wissen, was als nächstes zu tun
ist (anstatt sich Sorgen über dieses und jenes zu machen oder Energie mit Ärgern zu
verschwenden).

Beim „konstruktiven Umgang mit uns selbst“ geht es darum, wie wir über uns selbst
denken, mit uns selbst sprechen und umgehen. Wir können uns über die volle Halle ärgern.
Wir machen uns selbst fertig, weil das mit dem Vorstieg wieder nicht geklappt hat. Wir
kritisieren uns, weil wir „schlechter“ klettern als andere. Wir zweifeln an uns, weil wir an der
Schlüsselstelle bestimmt wieder zu feige sind und nehmen uns vor, es beim nächsten Mal
noch härter zu versuchen. Wir geben anderen die Schuld. Wir ärgern uns dann zusätzlich, weil
alles das gar nichts bringt und verspannen uns dadurch nur noch umso mehr.


Entspannungspolitik - den richtigen Ton treffen

Das Erkennen von mentalen Hindernissen ist der erste Schritt. Doch was ist dann zu tun? Hier
gibt es konkrete Tipps, wie man konstruktiv Verbesserungen erzielen kann.
Mal was anderes machen - zum Spaß.
Ein Ausweg aus Situationen, in denen uns etwas nicht so gelingt, wie wir es uns wünschen, in
denen wir uns ärgern oder unzufrieden mit uns sind, besteht darin, so mit uns umzugehen, wie
wir in dieser Situation mit unserem besten Freund, unserer besten Freundin umgehen
würden. Oder wie ein wirklich guter, erfahrener Trainer mit seinen Schützlingen umgeht: Wir
würden aufmuntern. Relativieren, „die Kirche im Dorf lassen“. Zur Pause, zum Entspannen,
zum Mal-tief-Luftholen anregen. Wir würden darauf hinweisen, dass der Tag heute im Job
doch schon stressig genug war, der letzte Virusinfekt erst eine Woche her ist und der
Verletzung am Finger ein wenig mehr Schonung doch vielleicht ganz gut täte? Wir würden
einwerfen, dass es viel Zeit, viel Übung und viel Geduld braucht, um stetig und langfristig
besser zu werden. Und dass wir auch die großen Ziele nur in kleinen Schritten erreichen. Wir
wären nachsichtig, freundlich, bemühten uns je nach Situation einfühlsam um die passenden
Sätze und würden uns mit dem anderen über jeden noch so kleinen Erfolg freuen.


Kein „Dutzidutzi“

Aber Achtung: Dabei geht es nicht um „Dutzidutzi“, um Abschwächen oder Verhätscheln.
Das können die wenigsten Sportler leiden. Ein gewisses Maß an Herausforderung, an „Ich
traue mir (dir) das zu!“ darf schon sein. Ein gewisser Grad an Angriffslust, an Motivation,
Herausforderungen angehen zu wollen, sind wichtige Komponenten des inneren Zustandes,
der uns zur Leistung befähigt. Es gibt Tage, an denen wir leichter in den „idealen
Leistungszustand“ kommen, manche von uns umso mehr, als sie durch andere dazu angeregt
werden. An anderen Tagen hingegen brauchen wir einfach mehr Ruhe, Nachsicht und
Verständnis.

Und seltsam: Je mehr Verständnis, Nachsicht und Gelassenheit wir uns an den weniger guten
Tagen selbst entgegenbringen, desto seltener erleben wir schlechte Tage! Wenn es uns durch
zunehmende Übung gelingt, nachsichtiger mit uns selber umzugehen, dann gewinnen wir
Freude, Lockerheit und Selbstvertrauen. „Aber,“ höre ich da kritische Stimmen, „wenn ich
nur so softiemäßig mit mir selber umgehe, wie soll ich dann jemals besser werden?“ Besser
werden wir durch Übung, mit Zeit, Spaß und Geduld. Durch „vom Leichten zum Schweren,
vom Einfachen zum Komplexen“. Grenzen nach oben verschieben wir an Tagen, an denen
wir wirklich fit und gut drauf sind. So mancher glaubt, bei jedem Klettern an seine oberen
Grenzen gehen zu müssen, um besser zu werden. Aber nicht jeder Tag ist „ein guter Tag“, an
dem wir fit, ausgeruht, unbeschwert und sorglos sind, an dem uns besondere
Herausforderungen eher gelingen als an den weniger guten Tagen. Wenn wir uns also auch an
den weniger guten Tagen einbilden, an unsere Grenzen gehen zu müssen, haben wir gute
Chancen auf Misserfolge. Unser Gehirn speichert diese aufgrund der Tagesform eigentlich
voraussehbaren „Misserfolge“ ab, und wir geraten zunehmend in den Kreislauf von Unlust,
Frust und Selbstzweifel.


Die richtige Einstellung - konkrete Tipps

Zum besser klettern gehört der Kopf dazu. Nett zu sich selbst sein, gehört dazu. Wie man die
richtige Einstellung findet.
Um besser zu klettern ist es sinnvoll, unsere Einstellungen langfristig zu verändern, uns
selbst gegenüber mehr Verständnis und Freundlichkeit zu entwickeln und für viele kleine und
große Erfolgserlebnisse zu sorgen. Wenn wir uns also durch zu volle Hallen irritiert fühlen,
dann „besetzen wir den Gedankensinn“ und bleiben mit unserer Aufmerksamkeit „im Hier
und Jetzt“. Wenn wir merken, dass wir heute nicht ganz so fit sind, dann verzichten wir auf
besonders schwere Routen und versuchen, in einfacheren Routen technisch so perfekt oder
optisch so elegant wie möglich zu klettern. Stress im Job? Dann sollte uns das Klettern mehr
zum Auftanken dienen und nicht durch zu hohe Anforderungen an uns selbst zusätzlich
stressen. Wenn es im lang ersehnten Kletterurlaub mal regnet? Wunderbar, dann erholen wir
uns, ganz in dem Wissen, dass die Regeneration ein wichtiger Bestandteil des
Besserwerdens ist.

Besser zu werden braucht Zeit, Geduld, Übung, Erfahrung, Lachen,
vernünftige Planung und zahlreiche kleine Erfolgserlebnisse, aber das haben wir unseren
Kletterfreunden ja schon immer gesagt!


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